Diese Konferenz wurde in Kooperation zwischen dem Institut für Philosophie (PD Hans Feger) und dem Institut für China Studien (Prof. K. Levy) an der Freien Universität Berlin organisiert.

20 chinesische und internationale Wissenschaftler aus den Bereichen Sozialwissenschaften, Philosophie und Raumforschung befassten sich vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in China mit verschiedenen Themen zu den Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft.

In seiner Eröffnungsrede betonte Stefan Gosepath (Berlin), Leiter des Alumninetzwerks „Good Life“, die Bedeutung der Entwicklung einer intellektuellen Globalisierung und von Netzwerken in den Geisteswissenschaften, um die Ideen hinter Chinas Politik zu verstehen.

Das erste Panel „Good Life, Third Sector Rules and Regulations“ befasste sich mit rechtlichen Aspekten chinesischer Non-Profit-Organisationen. Es konzentrierte sich auf das seit September 2016 geltende „Wohltätigkeitsgesetz“ und diskutierte die regulatorische Entwicklung des chinesischen Non-Profit-Sektors. Eine soziologische (Anthony Spiers, Melbourne), eine juristische (Knut Benjamin Pißler, Hamburg) und eine anthropologische (Han Junkui, Peking) Rechtsperspektive verdeutlichten die neue Rechtslage und offenbarten gleichzeitig unterschiedliche Auffassungen über die Umsetzung und Auswirkungen des Gesetzes. Es wurde offensichtlich, dass verschiedene Perspektiven dazu beitragen können, das Verständnis des Wohltätigkeitsgesetzes zu verbessern.

Das zweite Panel „Good Life, Social Governance und Staat-Gesellschaft-Kooperation“ konzentrierte sich auf die Rolle von Non-Profit-Organisationen in der Sozialen Governance. Die Präsentationen zeigten die Vielfalt der verschiedenen Formen des Engagements im Dritten Sektor. Bei allen Vorträgen wurde der Bedarf an gemeinnützigen Organisationen als Experten unterstrichen. Deng Guosheng und Guan Shanshan (Peking) verwiesen auf die Bedeutung der Koproduktion zwischen NGOs und dem Staat bei der Erbringung öffentlicher Dienstleistungen. Katja Levy (Berlin) argumentierte, dass Stiftungen als soziale Innovatoren die wichtige Funktion der Förderung des dritten Sektors Chinas erfüllen könnten. Chu Songyan (Peking) beschrieb, wie die chinesische Regierung einige ihrer Funktionen an wissenschaftliche und technologische Verbände überträgt. Hu Yinglian (Peking) diskutierte die Notwendigkeit eines autonomen dritten Sektors als Partner der Regierung bei der Regulierung der Lebensmittelsicherheit und der Arzneimittelsicherheit.

Das dritte Panel „Gutes Leben, Staat und Gesellschaft: Vergleich und Zusammenarbeit“ befasste sich mit den Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft in theoretischer und vergleichender Perspektive. Die Analyse der Modelle der Zivilgesellschaft von Tocqueville und Hegel von Annette Zimmer und Roman Paul Turczynski (Münster) zeigte, wie schwierig es ist, westliche Annahmen auf den chinesischen Kontext anzuwenden. In einem Vergleich zwischen Deutschland und China wurden die unterschiedlichen Merkmale von NGOs und die Art ihrer Beziehung zur jeweiligen Regierung (Ma Qingyu, Peking) ermittelt. Nora Sausmikat (Köln) stellte die Anwendbarkeit des Begriffs „Zivilgesellschaft“ für China vor dem Hintergrund einer sterbenden Befürwortungsbewegung in ihrem Vortrag über Unterschiede der Zivilgesellschaft in Ostasien in Frage. Diese Präsentationen führten zu Diskussionen über die Übernahme des Zivilgesellschaftskonzepts in China und über Aktionsformen außerhalb des Paradigmas von Staat und Gesellschaft.

Das vierte Panel „Gutes Leben, Staat, Gesellschaft und ausländische Akteure“ analysierte die sich verändernden Rollen ausländischer NGOs in China, insbesondere nach der Verabschiedung des chinesischen Overseas NGO Law (in Kraft seit Januar 2017). Technisch hat dieses Gesetz den rechtlichen Rahmen geklärt. NGOs aus Übersee in China haben jedoch inzwischen mit neuen Schwierigkeiten, Einschränkungen und Unsicherheiten bei der Umsetzung des Gesetzes zu kämpfen. Mark Sidel (Wisconsin) drückte seine Besorgnis über die Unannehmlichkeiten aus, die ein neues Maß an Isolation und Beschränkung für ausländische Nichtregierungsorganisationen verursacht hat. Die Recherchen von Andreas Fulda (Nottingham) und Horst Fabian (Frankfurt) ergaben, dass das Gesetz für europäische NGOs das Gefühl vermittelt, das Vertrauen und die Freundschaft mit China zu verlieren. Heike Holbig und Bertram Lang (Frankfurt) beendeten diese Podiumsdiskussion mit einer Analyse, wie das neue regulatorische Umfeld die Arbeit ausländischer NGOs in China beeinflusst, indem sie ihre Arbeit einschränkt, ersetzt und neu ausrichtet. Das Panel brachte eine Diskussion über eine Neuauffassung der Rolle der ausländischen NGOs in China auf.

Im fünften Panel „Good Life, Advocacy und Aktionsräume“ wurden einige Beispiele für Maßnahmen der dritten Sektorgruppe sowie deren Räume und Möglichkeiten hervorgehoben. Bettina Gransow (Berlin) schlug vor, das Konzept von Jianghu, ursprünglich ein Begriff, der bestimmte wilde oder nicht regulierte Regionen in Wuxia Movies beschreibt, als analytisches Werkzeug zur Analyse von Migrantenräumen und Prozessen der Selbstorganisation von Migranten in chinesischen Städten anzuwenden (Bettina Gransow, Berlin). Weitere Präsentationen beinhalteten Einblicke in die Arbeit von Industrieverbänden und deren sozialen und politischen Funktionen (Mao Peijin, Peking) sowie von religiösen Vereinigungen und ihren Kampf um Autonomie (Lu Chen, Berlin).

In seiner Konferenzzusammenfassung hat Stefan Toepler (Virginia) drei Kernprobleme identifiziert: Erstens schienen verschiedene Perspektiven auf die Bedeutung und die Auswirkungen der neuen Gesetze des dritten Sektors und auf den Status von Organisationen des dritten Sektors in China ein zentrales Anliegen zu sein. Zweitens muss die Anpassung und Umsetzung von Kooperationsmodellen zwischen dritten Sektorgruppen und der Regierung weiterentwickelt werden. Drittens gab die Marginalisierung der Befürwortung Anlass zur Sorge. Er sagte, dass diese zwei Tage voller inspirierender Beiträge und lebhafter Diskussionen den Teilnehmern und Organisatoren der Konferenz vielfältige Einblicke gewährten. Insgesamt fand die Konferenz große Resonanz und zeigte die Aktualität und Relevanz von Fragen im Zusammenhang mit den Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft in China, die definitiv eine weitere Zusammenarbeit über Disziplinen und Grenzen hinweg erfordern, einschließlich der Perspektiven von Wissenschaftlern und Praktikern.

Gäste aus China waren:
Prof. Chu Songyang (Chinese Academy of Governance)
Prof. Deng Guosheng (Tsinghua University)
Prof. Han Junkui (Beijing Normal University)
Prof. Hu Yinglian (Chinese Academy of Governance)
Prof. Jin Jingping (Peking University)
Prof. Ma Qingyu (Chinese Academy of Governance)
Prof. Mao Peijin (Chinese Academy of Governance)

Gäste aus Deutschland/USA waren:
Prof. Andreas Fulda (University of Nottingham)
Prof. Prof. Stefan Gosepath (Freie Universität Berlin)
Prof. Bettina Gransow (Freie Universität Berlin)
Prof. Katja Levy (Freie Universität Berlin)
Prof. Knut Benjamin Pissler (Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht)
Dr. Lu Chen (Freie Universität Berlin)
Prof. Heike Holbig (Goethe Universität Frankfurt)
Dr. Bertram Lang (Goethe Universität Frankfurt)
Dr. Ágota Révész (Technische Universität Berlin)
Prof. Mark Sidel (University of Wisconsin-Madison)
Prof. Anthony Spires (University of Melbourne/ Chinese University of Hong Kong)
Prof. Stefan Toepler (George Mason University)
Dr. Roman Paul Turczynski (Westfälische Wilhelms-Universität Münster)
Prof. Annette Zimmer (Westfälische Wilhelms-Universität Münster)
Dr. Nora Sausmikat (Freie Universität Berlin; Stiftung Asienhaus)