Interview: Miriam Hoffmeyer

Seit Oktober 2017 wurden sieben deutsch-chinesische Alumni-Fachnetzwerke (DCHAN) gegründet. Was ist das Ziel dieser Netzwerke?

China strebt auf vielen Forschungsfeldern eine führende Position an. Deshalb hat Deutschland großes Interesse daran, die Wissenschaftskooperation mit China auszubauen. Hierzu gehört u.a. der Aufbau nachhaltiger Kooperationsstrukturen und die Vernetzung von Wissenschaftlern. Die Alumnifachnetze sollen dafür sorgen, dass sich Deutsche und Chinesen, die als Studierende oder Wissenschaftler im jeweils anderen Land gelebt haben, systematisch d.h. institutsübergreifend und fachbezogen miteinander vernetzen. Wir erhoffen uns von ihnen Anstöße für neue wissenschaftliche Zusammenarbeit oder Kooperationen mit der chinesischen Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Deutsch-Chinesischen Alumnifachnetzwerke entstanden in den Bereichen Entrepreneurship, Geistes- und Sozialwissenschaften, Logistik, Maschinenbau, Neurowissenschaften, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Urbanisierung und Stadtentwicklung. Warum wurden gerade diese sieben Spezialisierungen ausgewählt?

Die DCHAN-Maßnahme ging aus einem Ideenwettbewerb hervor, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung 2016 im Rahmen seiner China-Strategie zu innovativen Konzepten in der deutschlandweiten Fach-Alumniarbeit ausgeschrieben hat. Für die Auswahl entscheidend war, wie innovativ und nachhaltig die Ansätze sind. Das an die Uni Leipzig angebundene Entrepreneur-Fachnetz DC-Hub zum Beispiel leistet fachliche und logistische Starthilfe bei deutsch-chinesischen Firmengründungen. Es ist in der chinesischen Start-up-Szene sehr gut vernetzt. Ein anderes Beispiel ist das an den Universitäten Heidelberg und Freiburg verankerte Fachnetz DCAPP. Unter Anleitung erfahrener Alumni baut es Abteilungen für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an chinesischen Universitäten und Kliniken auf und betritt damit Neuland in China.

Wie viele Mitglieder hat DCHAN seit seiner Gründung denn insgesamt gewonnen?

Jedes der sieben Fachnetze hat einen Bestand von ursprünglich 50 bis 200 Alumni mitgebracht, sowie jeweils 10-15 Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft. Bei jeder der ca. 30 Veranstaltungen, die die Alumni-Fachnetze jährlich in Deutschland und China veranstalten, werden bis zu 25 neue Interessenten hinzugewonnen. Dazu kommen die Mitglieder, die wir über das DCHAN-Portal anwerben. Nach einem Jahr liegt die Gesamtzahl der Beteiligten bei ungefähr 1500 – zwei Drittel Deutschen und einem Drittel Chinesen.

Wie genau unterstützt der DAAD eigentlich die Fachnetze?

Der DAAD hat eine Katalysatorfunktion: Wir begleiten den Aufbau der Netzwerke und helfen ihnen bei der Öffentlichkeitsarbeit und der Vernetzung untereinander. Dazu haben wir die DCHAN-Plattform www.dchan-projekt.de mit zugehöriger Online-Community eingerichtet. Darüber hinaus bieten wir eine Expertensuche über unsere DAAD-Kontaktdatenbank an und bringen alle sieben Fachnetze einmal jährlich auch physisch zusammen, zuletzt im März 2018 bei unserem gemeinsamen Auftaktworkshop. Dort identifizieren wir gemeinsame Ziele und wichtige Themen und stellen die Weichen für die weitere Zusammenarbeit.

In welchen Bereichen arbeiten die Fachnetze schon zusammen?

Das Thema Digitalisierung verbindet derzeit drei unserer Fachnetze: URBANI[XX], das an der TU Berlin Urbanisierung und Stadtentwicklung erforscht, ALUROUT, das am Fraunhofer Institut für Materialforschung an innovativen Logistiklösungen arbeitet, und das Entrepreneur-Fachnetz DC-Hub, das enge Beziehungen zur digitalen Start-up-Landschaft in Shanghai pflegt. Im Rahmen der ‚Digital China Lunches‘, einem interdisziplinären Diskussionsforum der TU Berlin, kommen Ende des Jahres Vertreter dieser drei Fachnetze zusammen, um Synergien zu erschließen.

Auch bei den Geistes- und Sozialwissenschaftlern, die von der FU Berlin aus „Das Gute Leben“ erforschen, und den Psychosomatikern gibt es Schnittpunkte. So untersuchte ein Psychosomatik-Experte vom Fachnetz DCAPP diesen Sommer bei einem internationalen Symposium der FU Berlin „das Menschenbild in der psychosomatischen Medizin“.

Wie geht es mit DCHAN weiter?

Im Mai 2019 wird es einen zweiten internen Workshop für alle Fachnetze geben, der an das große Alumnitreffen anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der DAAD-Außenstelle Peking anschließt. DCHAN-Vertreter werden sich dort nicht nur miteinander austauschen, sondern auch vielfältige neue Kontakte knüpfen können: zu hochrangigen Vertretern aus Politik und Wissenschaft Chinas, zu Unternehmen – und natürlich zu vielen Alumni.