Verbund-Gespräch: Dr. Sigrun Abels (TUB), Dr. Birgit Häse (TU Dresden), Prof. Dr. Schmidt-Glintzer (Uni Tübingen) sowie Gastgeberin Prof. Dr. Angelika Messner (CAU) – im Uhrzeigersinn.

Die Gründungsmitglieder der vier universitären Chinazentren in Kiel, Berlin, Dresden und Tübingen legten bei ihrer ersten konstituierenden Sitzung Ziele und Maßnahmen ihres Netzwerkes fest:

Ziele und Maßnahmen

Der Verbund zielt auf den Aufbau einer langfristigen Kooperation und Vernetzung der Chinazentren zur Förderung der Chinakompetenz in Forschung und Lehre an deutschen Hochschulen

Er bietet:

  • Möglichkeiten zum regelmäßigen Austausch „burden-sharing“ (best practice/worst practice) zwischen den Chinazentren, China-WissenschaftlerInnen und China-Projektleitungen (in Ergänzung zu den Sinologen)
  • Bündelung, Koordinierung, Sichtbarmachung Chinabezogener Projekte an dt. HS
  • Beratung (nach innen und außen) bei deutsch-chinesischen (Hochschul-) Kooperationen auf der Grundlage eingehender Diskussionen und Untersuchungen von ExpertInnen innerhalb des Netzwerks
  • Formulierung gemeinsamer Interessen gegenüber der Politik und der Gesellschaft ebenso wie gegenüber chinesischen Institutionen
  • Chinawissen kompakt durch Schaffung eines deutschen Pools von China-Knowhow und Kontakt-Netzen in und über China.
  • Zentralen Auskunftsort/Anlaufstelle/Directory/ Überblick (Portrait) über Chinazentren und nachhaltige akademische China-Projekte
  • Halbjährliche Newsletter/Rundmail/Quartalsbericht
  • Jahrestagungen

Nach der Gründungssitzung trafen sich China-Interessierte aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik beim Chinakompetenz-Lunch, organisiert vom Chinazentrum der Uni Kiel. Der Sinologe Prof. Schmidt-Glintzer wies nochmals eindringlich auf die Förderung von Chinakompetenz hin:

China drängt auf die Weltbühne und man muss davon ausgehen, dass China bald auch wissenschaftlich eine Supermacht sein wird. Studierende aus China besuchen in großer Zahl deutsche Hochschulen, überwiegend in MINT-Fächern, während zahlenmäßig vergleichsweise weniger deutsche Studierende zur Bildung von China-Kompetenz nach China gehen. Hier entstehen asymmetrische Verhältnisse; da wir uns in einer hochkomplexen und daher auch nur arbeitsteilig zu belebenden Welt vorfinden, ist Netzwerkbildung eine Notwendigkeit.

Klare Strategie für die China-Kooperation!

Chinas Ausbau des Hochschulsystems ist eingebettet in die nationale Entwicklungsstrategie. Forschung dient vor allem übergeordneten politischen und ökonomischen Zielen.

In den letzten Jahren gab es einen spürbaren Anstieg an Kooperationen zwischen akademischen Einrichtungen in China und in Deutschland, Europa, dem Rest der Welt. China will technologische Großmacht werden, seine Forschungsziele sind klar definiert – und verbunden mit politischen und strategischen Initiativen wie der Belt & Road Initiative, BRI. Nie zuvor waren so viele chinesische Studierende an Europäischen Hochschulen eingeschrieben, nie zuvor studierten so viele Ausländer an Chinesischen Hochschulen. Diese internationalen Kooperationen können Chancen für neue wissenschaftliche Erkenntnisse und gemeinsame Forschungsergebnisse bedeuten. Mögliche Risiken sollten ebenso abgewogen werden:

Wir müssen die chinesischen Regeln und Ziele verstehen – nur so können wir Kooperationen aufbauen, die nicht auf Vermutungen, sondern auf wohl-verstandenen Interessen basieren, fasst eine Studie des LeidenAsiaCentre zusammen. Sowohl der wissenschaftliche Austausch im Bereich technologischer Innovationen, als auch das Wissen um den historisch-kulturellen Hintergrund des jeweils Anderen ist für China und Europa wichtig.

Europa ist aber noch unzureichend informiert über China und sein Hochschulsystem, es fehlt an strategischen Visionen und einem Verständnis der Kooperationsziele des chinesischen Partners; zu diesem Schluss kommt auch die o.g. Leidener Studie, sie mahnt:

Wir sollten unser Engagement in der Zusammenarbeit mit Chinas Hochschulen fortführen – allerdings basierend auf einer handfesten China-Strategie unserer Hochschuleinrichtungen und einer Abwägung möglicher Vor- und Nachteile für die wissenschaftliche Kooperation.

Mehr Chinakompetenz!

Die Notwendigkeit einer breiteren Chinakompetenz-Vermittlung hat sich daher stark erhöht. Dies betont auch die China-Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, BMBF, 2015-2020, in der es heißt:

Wesentliche Grundlage für erfolgreiche wissenschaftliche und wirtschaftliche Kooperationen mit chinesischen Partnern ist eine ausreichende China-Kompetenz der deutschen Partner. Diese beinhaltet neben auf China bezogenen Fachkenntnissen auch das Basiswissen zu Wirtschaft, Politik, moderner Geschichte und Gesellschaft sowie fremdsprachliche und interkulturelle Kompetenz. (BMBF Chinastrategie 2015-2020, 2016).

Für eine zunehmende Anzahl an deutschen Studierenden und WissenschaftlerInnen besteht ein großer Bedarf an humanistischer Interpretation von sozio-ökonomischen und kulturellen Prozessen in China – zusätzlich zu den komplexen wirtschaftlichen Erklärungen. Viele Problemstellungen in der globalisierten Arbeitswelt deutsch-chinesischer Unternehmen lassen sich nur mit Hilfe umfangreicher Kenntnisse der chinesischen Lebens- und Arbeitswelt lösen. Vor diesem Hintergrund wächst auch die Nachfrage nach gut ausgebildeten deutschen Absolventen mit profunden Chinakenntnissen – der Erwerb eines möglichst umfassenden China-Wissens soll im späteren Berufsleben angewandt werden und zum besseren Verständnis beider Kulturen beitragen.

Chinazentren und Sinologien

In Ergänzung zu den sinologischen Instituten/Fachgebieten an deutschen Hochschulen und den Konfuzius-Instituten in Deutschland sind Chinazentren an deutschen Hochschulen idealerweise integrale Bestandteile der Universitäten mit zentraler Funktion. Sie sind Einrichtungen, die der Förderung der Chinakompetenz in Forschung und Lehre dienen.

Ihre Angebote sind fächerübergreifend, interdisziplinär, interkulturell und richten sich an alle Statusgruppen. Die Chinazentren bieten den Studierenden und KollegInnen die Essenz jahrzehntelanger eigener Erfahrung in der Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern; sie sind geübt in wissenschaftlichen Kooperationen mit China und geben diese China-Kenntnisse gern an ihre Wirtschafts-, Ingenieur-, Natur- und GeisteswissenschaftlerInnen weiter.

Mitgliedschaft im Verbund der Chinazentren

Das Netzwerk ist grundsätzlich offen für neue Mitglieder. Nach einer Gründungs- und Sondierungsphase können sich neue Mitglieder ab dem WS 2019/2020 bewerben. Über eine Mitgliedschaft entscheiden die Verbund-Mitglieder im kooptierten Verfahren.

Die beteiligten China-Zentren begrüßen ausdrücklich die Mitgliedschaft weiterer Chinazentren, auch Initiativen aus den BMBF-geförderten Chinakompetenz-Projekten.

Bewerbungen von Konfuzius-Instituten werden vorerst nicht berücksichtigt.

Wie geht’s weiter? 

Geplant sind routinemäßige Jahrestagungen: im Jahr 2020 an der TU Dresden, in 2021 an der Uni Tübingen, in 2022 an der TU Berlin, in 2023 an der Uni Kiel; nähere Infos dazu senden wir zu einem späteren Zeitpunkt in unseren Rundmails.

Im Laufe dieses Jahres sollen ein Verbund-Antrag auf Anschubfinanzierung des Verbunds sowie ein Antrag auf mögliche Anschlussfinanzierung der BMBF-Chinakompetenz-Projekte gestellt werden.

Zur ersten Sprecherin des Verbundes wurde die Leiterin des China Centers der TU Berlin, Frau Dr. Sigrun Abels, gewählt.

Kontakt: .

Gez. Abels, Häse, Messner, Schmidt-Glintzer.