China entwickelt sich, insbesondere in der Automobilindustrie, immer mehr zum globalen Innovationstreiber. Wer die Trends in der Automobilindustrie verfolgt, der landet unweigerlich in China. Auf einer Rangliste der Unternehmensberatung Roland Berger zur Innovationskraft der Automobilindustrie belegt China Rang eins (von 13), Deutschland Rang acht. Untersucht wurden Kundeninteresse, Vorschriften, Technologie, Infrastruktur und industrielle Aktivitäten – Kriterien, die die hohe Dynamik und Umsetzungsgeschwindigkeit der chinesischen Automobilindustrie aufzeigen. Gerade im Bereich mobiler Netzwerke (5G-Netzausbau) und E-Mobilität ist China weltweit führend. In der 12-Millionenstadt Shenzhen, dem Vorreiter für Elektromobilität in China, wurde bereits 2017 die gesamte Busflotte elektrifiziert, bis Ende kommenden Jahres soll die Taxiflotte folgen.

Hinzu kommt, dass sich der Absatz von Personenkraftwagen in China, im Gegensatz zu den klassischen Automobilherstellerländern wie den USA, Japan oder Deutschland, zwischen 2007 und 2017 vervierfacht hat. Dadurch hat sich auch die Automobilproduktion immer mehr nach China verlagert.

Andererseits bietet Deutschland als Forschungs- und Innovationsstandort nachhaltiges Know-how im Bereich der Technologieentwicklung und ist laut Logistics Performance Index 2018 weiterhin weltweit führender Logistikstandort. Es liegt auf der Hand, führende Technologien, die Erfahrung und das Know-how aus Deutschland mit der Innovationskraft in China zu koppeln. So gibt es auf dem Gebiet der autonomen Fahrzeuge bereits Vereinbarungen für eine engere Zusammenarbeit. Deutsche Automobilhersteller wie Audi testen ihre autonomen Fahrzeuge vermehrt in China, weil die dortigen gesetzlichen Voraussetzungen oftmals geeigneter sind als zu Hause.

Für den Automobilsektor bergen Kooperationen zwischen Deutschland und China große Chancen, wie die Experten des deutsch-chinesischen Alumni-Netzwerks ALUROUT erkannt haben. Ein Schwerpunkt der Netzwerkarbeit liegt daher in der gemeinsamen Weiterentwicklung und Digitalisierung des Supply Chain Managements für die Automobilindustrie. Professor Michael Henke, Leiter des ALUROUT-Netzwerks und Institutsleiter am Dortmunder Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, stellte bei einem Alumni-Netzwerktreffen im Mai in Shanghai seine Vision der Shadowed Supply Chain (Digitaler Zwilling) vor. Dabei handelt es sich um ein digitales Abbild der Supply Chain, welche die Erprobung von geplanten Maßnahmen und eine Vorausschau der Wirkzusammenhänge bei deren Einspielung ermöglicht. Wichtige Zukunftstechnologien für die Umsetzung eines solchen digitalen Zwillings sind die Blockchain-Technologie und Künstliche Intelligenz.

Für die Weiterentwicklung solcher und weiterer innovativer Ansätze und Technologien und die Umsetzung in gemeinsamen Forschungs- und Industrieprojekten setzt das ALUROUT-Netzwerk auf die enge Zusammenarbeit zwischen seinen deutschen und chinesischen Forschungspartnerinnen und -partnern sowie Alumni und die Einbindung von Stakeholdern beider Länder. Der hohe Entwicklungsstand in Deutschland, gepaart mit der Dynamik und der schnellen Umsetzungsgeschwindigkeit in China, bieten gute Voraussetzungen dafür, künftige gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.

Weitere Informationen zum ALUROUT-Fachnetz

Sehen Sie sich auch das Videointerview mit Prof. Henke von der LogiMAT-Messe 2019 in Stuttgart an.

Warum Austausch mit China? Gedanken hierzu in Henkes Blog

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