Unter dem Titel „Good Life“ vernetzen sich deutsche und chinesische Forschende und Alumni aus den Geistes- und Sozialwissenschaften und untersuchen Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Umgang mit der Frage nach dem „Guten Leben“. Unter Federführung der Freien Universität Berlin wollen sie innovative Lehr- und Forschungsperspektiven für den in Deutschland noch jungen Forschungszweig „Global Philosophy“ mit Schwerpunkt „Chinese Philosophy“ schaffen.

Im Juni nun wurden mit der Gründung der chinesischen Kant-Gesellschaft an der Peking-Universität, einem der wichtigsten Kooperationspartner des Alumni-Fachnetzes, viele wertvolle Vernetzungs- und Synergiemöglichkeiten geschaffen. Dass es 15 Jahre nach der ersten Anregung seitens des Vorsitzenden der deutschen Kant-Gesellschaft, Prof. Manfred Baum (Wuppertal), zur Gründung kommen konnte, ist nicht zuletzt dem Engagement der Peking-Universität zu verdanken. Mehr als 80 Kant-Expertinnen und Experten aus allen Teilen der Welt – davon die Hälfte aus Ostasien – nahmen an den Gründungsfeierlichkeiten an der Peking-Universität teil, die im Rahmen einer viertätigen internationalen Kant-Konferenz zum Thema “Kant and the Future of Humanity” stattfand.

Dass Kants kosmopolitische Weltanschauung nun Einzug in die philosophische Diskussion Chinas erhält, kann man zugleich als Erfolg und Herausforderung ansehen, steht sie doch in der gegenwärtigen geopolitischen Diskussion in Konkurrenz zum konfuzianisch geprägten Kosmopolitismus chinesischer Prägung und wirft die Frage nach einem alternativen Universalismus [der Menschenrechte] auf. Die große Anzahl namhafter chinesischer und ostasiatischer Kant-Forscherinnen und Forscher, wie Prof. Tze-wan Kwan (CUHK), Prof. Deng Xiaomang (Huazhong Univ. / Wuhan) oder Prof. Ming-huei Lee (Academia Sinica, Taipei), ist Ausdruck dafür, wie sehr die kantische Philosophie vor allem in ihrer moralischen und politischen Perspektive auch in China zur Auseinandersetzung mit ‚westlichen Werten‘ (Autonomieverständnis, moralischer Universalismus, Religionskritik u.v.m.) auffordert. Aus Sicht ‚westlicher‘ Kant-Forscherinnen und Forscher, wie Otfried Höffe (Univ. Tübingen), Paul Guyer (Brown Univ.) oder Béatrice Longueness (New York Univ.), kann ein Verständnis der kantischen Philosophie erst dann zustande kommen, wenn man ihre hohe systematische Kraft wertschätzt.

Auch für die Kant-Gesellschaft, die als eine der ältesten und weltweit größten philosophischen Gesellschaften auf eine mehr als 100 Jahre alte Geschichte zurückblickt, ist diese Gründung ein großer Erfolg. Nach dem Internationalen Kant-Kongress in Brasilien (2005) ist die Gründung einer chinesischen Kant-Gesellschaft an der Peking-Universität ein großer Schritt in der Internationalisierung der Kant-Forschung.

Im Zentrum der Arbeit der chinesischen Kant-Gesellschaft steht die Förderung eines kantischen Weltbürgerethos oder – in den Worten des chinesischen Veranstalters Prof. Han Shuifa: „Kant famously declares that philosophy should serve not the ‘monopoly of the schools’, but rather the ‘interest of human beings’, and that the ultimate concern of philosophy in a cosmopolitan sense is ‘that which necessarily interests everyone”.

In diesem Sinne lädt das Alumni-Fachnetz „Good Life“ interessierte deutsche China-Alumni und chinesische Deutschland-Alumni ein, sich auch über die Beschäftigung mit Kant hinaus mit philosophischen und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen zum Thema „das Gute Leben“ auseinanderzusetzen.

Weitere Informationen zum Fachnetz "Good Life"

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